Frage & Antwort

Braucht man im Flamenco einen Tanzpartner?

„No, denn Flamenco ist ein Solotanz. Wir tanzen zwar in der Gruppe, doch jeder sozusagen für sich allein. So manche kommt zum Flamenco, weil der Tanzpartner für Tango, Salsa & Co. fehlt. Der einzige Paartanz im Flamenco ist die Sevillana – sie wird von Frau/Frau oder Frau/Mann getanzt, man steht sich gegenüber und macht die gleichen Schritte und Armkreise (Braceos), doch man fasst sich nicht an den Händen wie in üblichen Paartänzen.“

Sind spezielle Voraussetzungen nötig?

„Nein, dieser Tanz kann von jedem erlernt werden. Befreie dich von dem Gedanken, nur eine bestimmte Art Menschen könne Flamenco tanzen – wie in vielen Dingen gibt es auch im Flamenco viele Klischees. Was dir helfen wird, Flamenco zu lernen, sind Interesse an Musik, Spaß an der Bewegung, Neugier auf eine außergewöhnliche Kultur und eine Prise Mut, noch unentdeckte Seiten an dir zu entdecken. Ein bisschen sportlich geht es schon zu, aber auch Untrainierte erlangen nach einiger Zeit das nötige Fitnesslevel. Wer körperlich etwas eingeschränkt ist oder es ganz besonders langsam angehen lassen möchte mit dem Flamenco, findet mit unserem Kursmodell ‚FLAMENCO SOFT & EASY‘ das Richtige.“

Wie läuft eine Tanzstunde ab?

„Im Kurs wird gemeinsam als Gruppe geübt und getanzt. Den Anfang der Stunde machen wir mit Mobilisierungs- und Balanceübungen. Im Hauptteil arbeiten wir an den Einzelelementen Haltung, Arme, Schritte, Drehungen, perkussive Fußteile, Palmas und daraus entstehende Tanzsequenzen. Ziel des Kurses ist das Erarbeiten aller dem jeweiligen Kurslevel entsprechenden Techniken und darauf aufbauende Tanzsequenzen und Choreografien. Während der Stunde gibt es Zeitinseln, die einzelnen Elemente jeder für sich oder in der Gruppe zu üben. Den Abschluss machen wir mit freiem Tanzen. Erwarte professionellen Unterricht und wundervolle Tanzerfahrungen!“

Ich bin eher schüchtern, ist Flamenco trotzdem was für mich?

„Flamenco ist für jeden ein schöner Tanz und bei jedem wirkt er anders. Ein guter Flamencotänzer ist körperlich präsent, geistig frei und gibt sich so, wie er ist, ohne sich zu verstellen. Die meisten kostet das erstmal Mühe am Anfang, vielleicht auch Überwindung, aber Flamenco hat die herrliche Eigenschaft, dich aus der Reserve zu locken. Ich selbst habe das so erlebt und erinnere mich noch genau an meine ersten Tanzerfahrungen. Es fiel mir zunächst auch nicht leicht, mich zu öffnen und den Blick in mein Spiegelbild als selbstverständich zu sehen. Je offener und natürlicher du bist, umso leichter wird es dir fallen und umso authentischer wird dein Tanz sein. Du wirst feststellen, dass das Flamenco Tanzen dich stärkt und selbstbewusster macht, ganz von selbst, das fühlt sich wunderbar an! Wenn du dich offen zeigst, natürlich und ungezwungen, wird dein Flamenco wunderschön sein und du wirst dich unsterblich in diese Tanzkultur verlieben, weil sie dir zeigt, wer du bist. Klingt das nicht wunderbar? Der Flamenco möchte, dass man sich auf ihn einlässt, sich mit Hingabe einbringt und nicht gleich aufgibt, wenn etwas nicht klappt. Es sind die Aufgaben, mit denen wir wachsen und uns entwickeln – nicht nur im Tanz, auch im Leben.“

Mein Rhythmusgefühl ist echt mies, kann ich trotzdem Flamenco tanzen?

„Auch, wer in Sachen Takt und Timing unsicher ist, kann Flamenco tanzen lernen. Oft liegt ein solches ‚Unvermögen‘ nur daran, dass man sich noch nie wirklich damit auseinander gesetzt hat. Die Übungen aus dem Unterricht vermitteln ganz automatisch und leicht verständlich eine solide Basis und du wirst erstaunt sein, wie sich bald dein Rhythmusgefühl verbessert. Außerdem räumt das Tanzen dein Logistikzentrum da oben auf dem Hals ordentlich auf, weil man lernt, mehrere Abläufe gleichzeitig zu koordinieren. Das verbessert das Gefühl für’s Timing – und zwar nicht nur beim Tanzen. Mit Flamenco lernst du, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, und zwar überall.“

Sind in den Tanzstunden feste Gruppen oder wechseln die Schüler oft?

„In unseren Gruppenkursen gibt es kein ständiges Kommen-und-Gehen. Die Tanzkurse sind feste Gruppen, was Vertrauen schafft und die Tanzfreude fördert, weil man sich auch einfach die ganze Woche darauf freut, die Mädels wieder zu sehen! Ein schöner Nebeneffekt ist der dadurch entstehende respektvolle Umgang miteinander, was auch eine wesentliche Eigenschaft des Flamencos ist. Man trifft sich regelmäßig zum gemeinsamen Lernen und Tanzen, man kennt sich beim Namen und die ein oder andere Plauderei nach dem Kurs hat schon so manche Freundschaft entstehen lassen. Als ich mich entschied, Flamencotanz zu unterrichten, gab es für mich zwei Prioritäten: Zum einen wollte ich diesen Tanz authentisch vermitteln, also so, wie er wirklich in seiner Heimat getanzt wird – Klischee hafte Abbilder waren mir immer zuwider. Zum anderen war mir wichtig, den Schüler nicht nur als solchen oder als Kunde zu sehen, sondern als Individuum, als Mensch. Ich wollte jeden da auffangen, wo er steht – technisch wie menschlich, weil ich der Überzegung bin, dass es nicht reicht, etwas zu lehren, ich muss auch auf den Menschen zu gehen und mich mit seiner Persönlichkeit auseinander setzen wollen. Über die Jahre hat sich gezeigt, dass das der richtige Weg ist, einen niveauvollen Rahmen zu schaffen, in dem sich die Schüler nicht nur wohl, sondern auch Wert geschätzt fühlen. Auf diesem Niveau ist intensives Lernen möglich und wo ein gewisses Niveau ist, hat ‚Masse‘ keinen Platz, deshalb ist mein Studio immer schon ein kleines, spezialisiertes Studio. Genau so wollte ich es immer haben: Klein aber fein…“ 🙂

Muss ich für eine Schnupperstunde was Spezielles mitbringen?

„Nicht wirklich. Für die ersten Stunden brauchst du nur fest sitzendes Schuhwerk, am besten mit einem Blockabsatz (zum Schutz unseres Tanzbodens bitte vor der Kursstunde Sohlen gut reinigen und bis zum Kurs nicht mehr auf der Straße tragen) und bequeme Kleidung. Wenn du solche Schuhe nicht hast, soll das aber auch kein Grund sein, auf eine Probestunde verzichten zu müssen. Entscheidest du nach der Probestunde dabeizubleiben, ist die Anschaffung der typisch benagelten Flamencoschuhe und eines Rockes nötig. Wir beraten gerne, also kaufe besser nicht auf eigene Faust – gerade bei Schuhen ist nicht alles ist auch Flamenco, nur weil es draufsteht. Nutze unsere Erfahrungen.“

Wird Flamenco nur in Flamencoschulen gelehrt?

„Wenn ich Zahnschmerzen habe, gehe ich zu einem Zahnarzt, nicht zum Gynäkologen. Und so, wie es Fachärzte gibt, gibt es auch Tanzschulen, die spezialisiert sind. Wer Flamenco tanzen will, sollte nicht zu irgendwem gehen, sondern dorthin, wo sich alles nur im diesen Tanz dreht. Denn dieser Tanz ist in vielerlei Hinsicht nicht mit anderen vergleichbar. Dazu muss man wissen, dass es nicht ‚den einen‘ Flamencotanz gibt, denn Flamenco ist der Oberbegriff für eine Vielzahl völlig unterschiedlicher Tänze. Diese Tanzkultur verbirgt viele Geheimnisse, die nur jene kennen, die sich über Jahre intensiven Studiums mit ihm auseinander gesetzt haben und ihn auch praktizieren. Um authentischen Flamenco lehren zu können, bedarf es eines ausgeprägten historischen Hintergrundwissens, Kenntnis und Können der verschiedenen Stile, der Tanztechniken und zahlreichen Varianten von Marcajes, Poses, Vueltas und Zapateados. Um Flamenco beherrschen und ihn auch vermitteln zu können, braucht es viele Jahre des Trainings, wie z. B. auch im Ballett oder ähnlich anspruchsvollen Tanzformen. In einer Flamencoschule bist du gut aufgehoben, denn hier ist Flamenco echte Berufung, Leidenschaft und gelebte Kultur. Mein Tipp: Nutze dort kostenlose Probestunden, um dir ein Bild zu machen und die für dich passende Schule zu finden. In einer seriösen Schule hat man übrigens auch nichts dagegen, wenn du deren Schüler zum Unterricht befragst.“

Was brauche ich für Zubehör?

„Das Wichtigste sind Flamencoschuhe – sie bieten den nötigen Schutz bei den speziellen Tanztechniken. Flamencoschuhe sind an Spitze und Absatz benagelt, damit man nicht fest zu treten braucht, um damit Töne zu erzeugen. Benagelte Flamencoschuhe sind also nicht nur Instrumente, sie schützen durch ihre spezielle Machart auch Füße, Knie und Rücken. Unbenagelte Flamencoschuhe taugen nur zum Flanieren oder für einen Schnupperkurs, jedenfalls sollten sie keinesfalls zum ernsthaften Tanzen über längere Zeit benutzt werden, weil so Verletzungen vorprogrammiert sind. Weiterhin brauchst du den typischen knöchellangen Rock: er sollte um die Knie herum nicht zu eng sein, sonst kannst du dich schlecht bewegen und ihn nicht in die Hand nehmen, um damit zu schwingen. Ein mittelweiter bis weiter Rock ist ideal für Anfänger, Farbe und Muster nach Geschmack. Fortgeschrittene haben meist mehrere Röcke in verschiedenen Schnitten, Farben und Mustern – es gibt viel Schönes für jeden Geschmack und Geldbeutel. Spezielle Flamenco-Oberteile braucht man nicht unbedingt zu kaufen – trag etwas, das dir gefällt, gut sitzt und Bewegungsfreiheit bietet. Trainingskleidung, wie Jazzpants oder Leggins und vielleicht ein kürzerer Rock darüber, das geht für den Anfang auch problemlos. Kleinere Hilfsmittel, wie z. B. Fächer oder Fransentuch kommen nach und nach hinzu.“

Kann ich mit den Flamencoschuhen auch zuhause üben?

„Ja. Doch das Üben zuhause ist kein Muss – auch bei einigermaßen regelmäßigem Kursbesuch kommt man gut mit. Wer seine Fußteile (Zapateados) zuhause üben möchte, sollte aber seinen Fußboden schützen wegen der benagelten Flamencoschuhe, sonst gibt es böse Kratzer und Zoff mit den Nachbarn. Parkett oder Laminat bedeckst du mit einem größeren Stück Teichfolie aus dem Baumarkt (z. B. 150 x 150 cm, dicke Qualität). Die Folie lässt sich aufrollen und so gut verstauen. Auf Teppich legst du einfach ein Holzbrett. Auf Steinböden zu tanzen, ist nicht so doll für die Gelenke, weil sie die Tritte nicht abfedern – auf den Steinboden lege ein Stück Teppich und obendrauf noch eine Holzplatte, das ergibt wenigstens eine leichte Federung. Wer ganz korrekt im Takt üben will, macht das mit Compás (Rhythmus): z. B. mit einer App für das Smartphone (suche in deinem Store nach „Flamenco Metronom“).“

Unterrichten alle Flamencolehrer nach der gleichen Methode?

„Im Flamenco gibt es keinen Standard, nach dem zu unterrichten ist und somit wirst du mit jedem Lehrer auch eine andere Herangehensweise finden. Es geht immer um den Flamencotanz und dessen Techniken, doch auf welche Art man dies vermittelt, bleibt dem Lehrer überlassen. Flamenco ist eine kulturell geprägte Tanzkunst, die von ihren Künstlern zu jeder Zeit beeinflusst und geformt wurde – und so auch von den Lehrern. Hier gibt es viel Spielraum und auch die Freiheit, Unterrichtsmethoden an sich zu verbessern, auszubauen, und an neuzeitliche Gegenbenheiten anzupassen. Damit sollte ein Lehrer immer sensibel umgehen, denn es geht um die Weitergabe eines wertvollen, kulturellen Gutes. Viele Lehrende übernehmen die Methode des Lehrers, bei dem sie selbst gelernt haben. Wer sich darüber hinaus aber dazu entscheidet, ein eigenes Konzept auzusarbeiten, kann seinen Unterricht optimal an seine Vorstellungen, Ziele und Möglichkeiten anpassen. So hat jeder Lehrer auch die Wahl, in seinem Unterricht Chorogreafien zu lehren, die er selbst bei seinen Lehrern gelernt hat oder man macht seine Choreografien selbst. Ein eigenes und sinnvoll auf- und ausbauendes Konzept ist viel Arbeit und bedarf eines ausgeprägten Wissens der Flamencokunst, Kenntnisse der Anatomie und Biophysik des menschlichen Körpers und auch psychologische Aspekte gehören zum Unterrichten – das darf man nicht unterschätzen. Es reicht nicht, tanzen zu können, man braucht auch ein gutes Gespür für den Umgang mit Menschen und man sollte wissen, welche Methoden es gibt, theoretische und praktische Inhalte zu vermitteln. Falls du bereits Flamenco tanzt, aber in eine andere Schule wechseln möchtest, muss dir also klar sein, dass du nicht nur die Schule, sondern auch die Methode des Lernens wechselst. Das kann zum Problem werden, denn Prägung ist ein starkes Band. Wie ein Kind durch seine Eltern und deren Erziehung geprägt wird, so ähnlich ist es auch mit deinem Tanzlehrer und dir. Am Ende wirst du dich auf etwas Neues einlassen müssen, um das Neue, das du suchst, zu bekommen.“

Kann man auch ohne Idealfigur Flamenco tanzen?

„Wer legt denn eigentlich fest, was ‚ideal‘ ist und was nicht? Und wozu? Wir halten es da wie der Flamenco, er sagt: ‚No me interesa ni un pepino.‘ – es interessiert ihn nämlich ’nicht die Gurke‘, welche Form dein Körper hat. Und wir finden, nicht nur im  Flamenco sollte das so sein, sondern überall. Deine Körperform sagt ja schließlich nichts über dich aus und schon gar nicht, ob du Flamenco tanzen kannst oder nicht. Das Alter ist übrigens auch wurscht, sowie deine Haarfarbe, oder ob du dir vor oder nach dem Frühstück die Zähne putzt. So bunt gemischt, wie in unserer Gesellschaft, geht es auch im Flamencokurs zu und jede darf hier sein, wie sie ist. Pack dich in dein Flamenco-Outfit, Kopf hoch, Brust raus, und du wirst eine umwerfende Flamenca sein! Der Flamenco mag dich mit allen Jahren und Rundungen. Schönheit kommt von innen und einer positiven Einstellung zum Leben und sich selbst. So auch im Flamenco.“

Ist der Kurs Flamenco 65+ nur für Damen ab 65 Jahren geeignet?

„Der Hinweis 65+ ist ein Hinweis auf das technische Level des Kurses – mitmachen dürfen hier alle Frauen, die gerne auf ‚die ganz softe Art‘ Flamenco tanzen möchten. Hier werden nur die leichtesten Techniken angewendet, daher braucht man für die Teilnahme keine besondere körperliche Fitness. Weiterhin sind keine benagelten Flamencoschuhe nötig, normale Schuhe mit kurzem Blockabsatz sind völlig ausreichend. Für das intensive Lernen des Flamencos mit all seinen Techniken, viel Tanztraining und komplexeren Choreografien sind unsere übrigen Kursen die richtige Wahl. Der Kurs Flamenco 65+ richtet sich voll und ganz an diese Zielgruppe, doch grundsätzlich sind alle Damen herzlich willkommen, die dieses Kursmodell anspricht.“

Kann ich auch ohne Spanischkenntnisse Flamenco tanzen?

„Claro. Du brauchst für unsere Flamencokurse keinerlei Spanisch-Kenntnisse. Die Begriffe, wie sie traditionell im Flamenco verwendet werden, kommen aus dem Spanischen (logo) und du lernst sie ganz automatisch und leicht im Kurs (ehrlich). Auf spanisch zu zählen, lernst du auch, aber ein Mathegenie muss man dazu nicht sein, Flamencos müssen nur bis 12 zählen können – kleiner Insiderjoke… 😉 In unseren Tanzkursen tummeln sich übrigens allerlei Nationalitäten: deutsch, russisch, spanisch, rumänisch, dänisch, englisch, amerikanisch, chinesisch, afrikanisch… Zusammen finden wir über die gemeinsame Sprache Flamenco. Wir sind eine bunte Mischung – zusammen gebracht durch eine Kultur, die selbst durch die Verschmelzung verschiedener Kulturen entstanden ist.“

Ist Flamencotanz eher was für Frauen?

„Flamenco ist es ein solistischer Ausdruckstanz für Frauen und Männer. Die Grundtechniken sind für beide gleich, aber es gibt zusätzlich jeweils spezielle Techniken. Im modernen Flamenco sind die Stile ‚weiblich‘ und ‚männlich‘ nicht mehr so sehr getrennt wie früher einmal. Tänzerinnen übernehmen schon lange auch Techniken der Männer und Männer scheuen sich nicht, auch mal etwas sanfter und weicher zu wirken, weil sie mehr filigrane Handkreise oder den ein oder anderen Hüftschwung in ihren Tanz einbauen. Der Flamenco ist aber vor allem für Frauen besonders reizvoll, da hier zahlreiche Tanz-Accessoires im Tanz Einsatz finden, wie z. B. Fächer (Abanico), Fransentuch (Mantón), Schleppe (Bata), Stock (Bastón und Caña), Hut (Sombrero) und nicht zuletzt die charakteristisch langen, weiten Röcke und Kleider mit oder ohne Volants. Männer sieht man hingegen selten mit Accessoires, z. B. mit dem Bastón. Wir haben uns auf Kurse für Frauen und die vielfältigen Techniken der Accessoires spezialisiert.“

Ich bin kein junger Hüpfer mehr, kann ich trotzdem Flamenco tanzen lernen?

„Flamenco kennt kein Alter (und die Figur ist ja auch Nebensache, wie du schon weißt). Super, wenn man bereits im Kindesalter seine ersten Flamencoschritte lernt, doch auch mit dem Späteinstieg als Erwachsener macht Flamenco viel Freude. Erwachsene dürfen dabei nicht vergessen: Hier exponiert man sich wieder von neuem, man fängt bei 0 an, egal welche Stellung man bereits im Privat- oder Berufsleben hat. Auch wenn du glaubst, du kennst dich selbst ganz genau, so wirst du dich hier nochmal von einer ganz anderen Seite kennen lernen. Wenn du dich darauf einlässt, wirst du nicht enttäuscht werden…“

Kann man in Deutschland überhaupt authentischen Flamenco lernen?

„Es kommt nicht darauf an, wo du lernst, sondern bei wem. Fachkompetenz, pädagogisches Talent und eine große Leidenschaft für die Kultur Flamenco sind der Schlüssel für guten Flamencounterricht. Flamenco steckt im Herzen und interessiert sich nicht für Nationalitäten – heute gibt es fast überall auf der Welt hervorragende Flamencoschulen und Künstler. Lass dich nicht von der Größe eines Studios täuschen, denn Professionalität kennt keine Größe. Es gibt riesige Schulen mit mehreren Lehrern und üppigem Kursangebot, aber auch ganz kleine Studios mit nur einem Lehrer und wenigen Kursen – das sagt noch nichts über die Qualität des Unterrichts aus. Entscheidend ist, ob der Lehrer Inhalte gut vermitteln kann und ob ihm etwas am Schüler und der Weitergabe der Tanzkunst Flamenco liegt. Ein guter Lehrer bringt auch gute menschliche Eigenschaften mit – wenn diese mit der fachlichen Kompetenz auf Augenhöhe sind, bist du gut aufgehoben und das auch spüren. Vertraue auf dein Bauchgefühl. Wenn du den Eindruck hast, es geht der Schule nur um die ‚Kohle‘ oder wenn unter den Schülern rumgezickt wird, wenn du dich nicht aufgenommen fühlst, such dir was anderes, denn nur in einer guten Atmosphäre kannst du wirklich lernen und auf Dauer Freude haben. Wenn du dich bei einem Lehrer wohl fühlst, vertraue dich seiner Kompetenz an und bring dich mit Hingabe in die Sache ein – das ist eine gute Basis, Flamenco und was ihn ausmacht zu entdecken. Ein Tipp: Eine Schule ist vertrauenswürdig, wenn du mal kostenlos Probe tanzen darfst und der Lehrer auch nichts dagegen hat, dass du die Schüler über den Unterricht befragst – mein Opa hat immer gesagt: Wer was auf dem Kasten hat, hat nichts zu verbergen…“

Kann ich mit Flamenco meine Haltung verbessern?

„Oooh ja!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“

Ich habe schon Tanzerfahrungen, muss ich im Flamenco trotzdem von vorne anfangen?

„Ideal ist immer der Einstieg mit einem Anfängerkurs, denn dort lernst du alle Grundtechniken und du wirst Flamenco-fit gemacht. Jeder Tanz hat seine Besonderheiten, auch wenn du Erfahrung aus anderen Tänzen mitbringst, brauchst du erstmal die entsprechenden Grundkenntnisse des Flamencos. Hier gibt es so einiges, was man in keinem anderen Tanz findet, das ist spannend für alle, ob mit oder ohne Tanzerfahrung – bringst du sie mit, wirst du womöglich zügiger vorankommen und bald in eine höhere Klasse wechseln können.“

Notlösung Flamenco – weil man für andere Tänze keinen Partner findet…

„Nicht wenige Chicas kommen zum Flamenco, weil sie eigentlich Tango, Salsa oder ähnliches tanzen wollten – aber keinen Partner finden. Und da Flamenco ein Solotanz ist, bietet sich das schnell als Notlösung an. Und ehrlich – ich finde das gar nicht schlimm, denn sehr oft erleben diese Mädels dann, dass sie eigentlich erst im Flamenco das finden, was sie sich vom Tanzen erhoffen – oder noch mehr. Es ist nicht nur der Tanzspaß und die Freude an der Bewegung zur Musik. Im Flamenco erfahren sie, dass Tanzen nicht nur Freude macht, sondern dich regelrecht auch auch befreien kann. Im Flamenco darfst du sein, was und wer du bist, ohne Kompromiss, mit allem was du bist und wie du dich fühlst. Du musst dich nicht verstellen oder jemandem gefallen, kein aufgesetztes Lächeln, sondern SEIN – ganz natürlich, echt und frei. Ich werde nicht von einem Partner geführt, sondern kann und soll selbst bestimmt tanzen, und das fühlt sich unglaublich an! Authentischer Flamenco ist keine Abfolge von Schritten, keine Show, kein Gehabe, sondern gelebte Kultur, die verborgene Seiten an dir aufdeckt und Gelegenheit gibt, zu entdecken und zu sein, wer du bist. Ich selbst habe in meinem Leben verschiedene Tänze kennen gelernt, doch nirgendwo erfuhr ich auch nur annähernd diese Kraft, wie sie im Flamenco immer und überall zu spüren ist. Ob als Notlösung oder bewusste Entscheidung – ich freue mich auf dich und meine Tür zum Flamenco steht dir immer offen.“

Wie lange dauert es, bis ich Flamenco tanzen kann?

„Flamenco ist ein komplexer Tanz und so braucht es ein bisschen Zeit und wie überall gilt auch hier – Talent alleine genügt nicht (schön wär’s). Es geht hier nicht um einen einzelnen Tanz, denn Flamenco der Oberbegriff für viele Stile, die alle ihre Besonderheiten haben. Du lernst einen Stil nach dem anderen, man beginnt mit einfachen Tänzen, steigert langsam den Schwierigkeitsgrad und es gibt immer wieder Neues zu Lernen. Aber Flamenco ist eben auch eine Reise, die nie endet, im positivsten Sinne. Es gibt eigentlich kein Ziel, nur den Weg. Es sollte dir nicht um das Erreichen von etwas gehen, sondern um das Erfahren und Erleben, den Moment – genau das ist das Wesen der Kultur Flamenco. Bleib voller Erwartung, neugierig und wachsam, dann wirst du in kleinen Schritten behutsam immer tiefer eintauchen – cada día un poco más – jeden Tag ein bisschen mehr… Und wäre es nicht auch langweilig, wenn es einem einfach in den Schoß fällt?“

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